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Titel
«Wir setzen auf Kooperationen» Autor/in Redaktion veröffentlicht Oktober 2026 (NaturGarten 06) © NaturGarten Schweiz 2026 |
NaturGarten: Du bist selbständiger Gärtnermeister, Fachmann für naturnahen Garten- und Landschaftsbau, warst während vieler Jahre in verschiedenen Funktionen für Jardin Suisse beider Basel tätig und seit einem Jahr erster Präsident von NaturGarten Schweiz. Welche Lücke soll der neue Verband in der Grünen Branche schliessen?
Peter Schlachter: Es gibt in unserer Branche unterschiedliche Einschätzungen über den Stellenwert von Themen wie Nachhaltigkeit und Biodiversitätsförderung. Samuel Salm, aktueller Präsident von JardinSuisse beider Basel, hat die Zielsetzungen von JardinSuisse und NaturGarten Schweiz als sich «vollkommen widersprechend» bezeich-net. Soweit würde ich nicht gehen, aber Unterschiede bestehen zweifellos. NaturGarten Schweiz gibt dem Teil der Branche eine Stimme, der für eine stärkere Gewich-tung nachhaltiger und biodiverser Themen einsteht. Die Verbandsgründung von NaturGarten Schweiz wurde in der Branche teils kritisch gesehen. Ist NaturGarten Schweiz eine Konkurrenz zu Jardin Suisse oder Bioterra? Es ist nachvollziehbar, dass Neugründungen von bestehenden Organisationen erstmal kritisch gesehen werden. Man hält sie für unnötig und wehrt sich gegen vermeintliche Konkurrenz. Nun ist Konkurrenz ja erstmal nichts Verwerfliches. Aber wir wollen gar niemanden konkurrenzieren. Wir wollen denjenigen eine Stimme geben, die sich für klimabezogene, nachhaltige und biodiverse Ziele einsetzen und wir wollen damit die Grüne Branche insgesamt stärken. Weshalb wurde ein eigenständiger Verband gegründet und man hat sich nicht für eine Zusammenarbeit innerhalb bestehender Organisationen entschieden? Die Vorstellungen über Zielsetzungen und Schwerpunkte liegen innerhalb der Branche wie gesagt ziemlich weit auseinander. Irgendwann kommt man an den Punkt, wo es für beide Seiten besser ist, getrennte Wege zu gehen. Es geht dabei nicht um abstrakte Ideologien sondern um ganz praktische und wirtschaftlich relevante Fragen. Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit Jardin Suisse und Bioterra heute? JardinSuisse ist ein Arbeitgeberverband, Bioterra eine Interessenorganisation, die sich für biodiverse Lebens-räume einsetzt, bei der unser Betrieb Mitglied ist, und NaturGarten Schweiz ist eine Branchenorganisation. Natürlich gibt es thematische Überschneidungen. Wir haben aber bewusst darauf geachtet, möglichst keine bestehenden Angebote zu konkurrenzieren. Darum haben wir zum Beispiel kein eigenes Label für naturnahe Gärten eingeführt. Mit dem Dachverband JardinSuisse und einzelnen Sektionen befinden wir uns mittlerweile in einem regelmässigen Austausch und die Zeichen stehen gut, dass es auch operative Kooperationen geben wird. Bioterra haben wir schon vor der Gründung über unsere Pläne informiert und Gespräche über eine Kooperation vorgeschlagen. Es wäre aus unserer Sicht zum Beispiel sinnvoll, Bioterra-Fachbetriebe in die Liste der Fachbetriebe für naturnahen Garten- und Landschaftsbau aufzunehmen. Es würde im Interesse der Sache liegen, wenn diese Gespräche bald aufgenommen würden. NaturGarten Schweiz vertritt sowohl Arbeitnehmende wie auch Arbeitgebende. Welche Chancen siehst du in diesem Ansatz? Es gibt zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden viele übereinstimmende Zielsetzungen: die wirtschaftliche Prosperität zum Beispiel, die eine Voraussetzung für gute Löhne und Sozialleistungen ist, Arbeitssicherheit, die Förderung von fachlicher Expertise, den Erhalt fachlicher Standards gegen Trittbrettfahrer oder der Schutz gegen in- und ausländische Dumping-Konkurrenz. Es gilt, diese gemeinsamen Interessen zu erkennen und sich gemeinsam dafür einzusetzen. Wie stellt NaturGarten Schweiz sicher, dass die Interessen beider Seiten ausgewogen berücksichtigt werden? In Verhandlungen über Löhne, Ferien etc. wird es immer unterschiedliche Zielsetzungen geben und man muss Kompromisse finden. Das ist das Grundprinzip der Sozialpartnerschaft, die es in der Schweiz seit mehr als 100 Jahren gibt und die bis heute viel zum wirtschaftlichen Erfolg beigeträgt. Bei unseren Zielen für die Branche und dafür, sie gegenüber Dritten zu stärken, gibt es keine unterschiedlichen Interessen zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden. NaturGarten Schweiz bietet eigene Aus- und Weiterbildungsangebote, die das bestehende Angebot ergänzen sollen. Welche Schwerpunkte setzt du dabei? Wir setzen auf Kooperationen mit Organisationen wie BienenSchweiz, Pusch, Sanu, Pro Specie Rara und weiteren, die bereits über hervorragende Angebote verfügen. Wir wollen auch hier keine Doppelspurigkeiten schaffen sondern durch Kooperationen Bestehendes stärken. Neue Angebote schaffen wir dort, wo es noch Lücken gibt, wie mit unserer Intensivausbildung für Quer- und Wiedereinsteiger/innen, die demnächst startet. Naturgärten sind immer mehr gefragt. Was braucht es, damit das Fachwissen mit der steigenden Nachfrage Schritt hält? Es braucht in erster Linie Expertise innerhalb der Branche, um am Markt glaubwürdig aufzutreten. Das bedeutet, dass man Grundlagen für naturnahen Garten- und Landschaftsbau in bestehenden Ausbildungen, von der Berufslehre bis zur höheren Fachprüfung, einen angemessenen Stellenwert zukommen lassen muss. Parallel dazu sehen wir mit Sorge eine Tendenz zu immer neuen Ausbildungsgängen für naturnahen Gartenbau. Das führt zu Unübersichtlichkeit. Unser Appell an die Anbieterinnen und Anbieter lautet, ihre Angebote zu koordinieren und zu vereinheitlichen. Der Fachkräftemangel beschäftigt die gesamte Grüne Branche. Wie möchte NaturGarten Schweiz mehr junge Menschen für den Beruf gewinnen und halten? Die Grüne Branche ist vom Fachkräftemangel mehrfach betroffen. Es gibt überdurchschnittlich viele offene Stellen und auch im Ranking nichtbesetzter Lehrstellen rangiert die Branche regelmässig auf den vorderen Plätzen. Das macht deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Einerseits müssen grundlegende Fragen, nach einem zeitgemässen Berufsbild etwa, angegangen werden. Sprechen wir die richtigen Leute an? Bieten wir ihnen attraktive Perspektiven? Ausbildungsinhalte müssen weiterentwickelt und zukunftstauglich gemacht werden. Die Anstrengungen, gute Mitarbeitende in der Branche zu halten, müssen verstärkt werden und es müssen attraktive Angebote für Quer- und Wiedereinsteiger/innen geschaffen werden. In vielen Betrieben stehen Nachfolgeregelungen an. Welchen Beitrag leistet NaturGarten Schweiz, sie dabei zu unterstützen? NaturGarten Schweiz bietet Betrieben aktive Unterstützung bei der Suche nach guten Nachfolgelösungen an und unterstützt Jungunternehmer/innen auf ihrem Weg in die Selbständigkeit. Mit Stolz blicken wir auf die erste erfolgreiche Neugründung mit unserer Unterstützung zurück, die im April 2026 erfolgt ist. Was wünschst du dir von Politik, Bildungseinrichtungen und der Branche, damit naturnahes Gärtnern noch stärker in der Gesellschaft verankert wird? Innerhalb der Branche wünsche ich mir mehr Zusammenarbeit und weniger unproduktive Grabenkämpfe und dass man Einigkeit darüber herstellen kann, dass die Expertise für Zukunftsthemen gestärkt werden muss. Nur so kann die Branche gegenüber Dritten glaubhaft auftreten und das muss sie, um nicht zum blossen Ausführungsgehilfen zu werden für Planungen und Entscheidungen, die anderswo erfolgen. Und dann gilt es, die Koordination mit Aktivitäten von Organisationen zu stärken, die sich ebenfalls mit diesen Themen beschäftigen. Aktuell gibt es viel zu viele Doppelspurigkeiten, die viel kosten und sich negativ auf die Effizienz auswirken. Wo soll NaturGarten Schweiz in fünf Jahren stehen? In fünf Jahren soll NaturGarten Schweiz eine etablierte Branchenorganisation sein, die im Verbund mit anderen Organisationen Herausforderungen, vor denen die Grüne Branche steht, als relevanter Player aktiv mitgestaltet. NaturGarten Schweiz soll dazu beitragen, dass die Branche auf einem ökonomisch soliden Fundament steht und dass sie engagierten Mitarbeitenden tolle Perspektiven bietet. |
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