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Unter den etwas sperrigen Begriff «standortheimisch» fallen Pflanzen, die in einer bestimmten Region heimisch sind und deswegen im Laufe der Zeit enge Beziehungen zur lokalen Tierwelt aufgebaut haben, insbesondere zu oft hochspezialisierten Insekten wie Wildbienen, Schmetterlingen und Käfern.
Die Lebensräume in der Schweiz, und damit auch deren spezifischer Pflanzenbestand, sind aufgrund der bewegten Topographie, unterschiedlicher Geologie und des höhenbedingt kühleren Klimas in alpinen Lagen stark unterschiedlich geprägt. Darum macht es keinen Sinn, eine Pflanze, die in der Schweiz vorkommt, einfach als einheimisch zu bezeichnen. So haben ein warmer Flaumeichenwald im Wallis, ein Waldmeister-Buchenwald im Thurgau, ein Mannaeschen-Hopfenbuchenwald im Südtessin und ein alpiner Schneeboden im Kanton Uri keine einzige gemeinsame Pflanzenart. Für eine erste, grobe Einteilung ist eine Regionalisierung sinnvoll, welche die erwähnten Faktoren berücksichtigt. Dazu kommen dann, besonders in den Alpen, die unterschiedlichen Höhenstufen. Standortheimisch bedeutet ein Wuchsoptimum der betreffenden Pflanze an einem bestimmten Standort bzw. Lebensraum wie zum Beispiel Flachmoor, Buchenwald, Magerwiese oder Kalkfelswand. Natürlich gibt es Pflanzen mit einem breiten Wuchsspektrum wie zum Beispiel der Löwenzahn. Andere Arten sind in der Wahl ihres Standortes sehr eng beschränkt, zum Beispiel der Sonnentau auf nasse Torfmoos-Hochmoore oder der Himmelsherold auf hochalpine Silikatfelsen und -schutt. Im Garten, wo wir die uns als geeignet erscheinenden Pflanzen durch Aussaat, oder noch gezielter, durch Pflanzung einbringen, sind die Wuchsspektren oft etwas breiter. Den optimal gewählten Standort verdankt die Pflanze mit gutem Wachstum und Blütenansatz. Im Garten werden im Wesentlichen zwölf Lebensräume unterschieden. Standortheimische Pflanzen sind im Gartenkontext demnach Pflanzenarten, die wenigstens in einem der genannten Lebensräume ihr Wuchsoptimum haben und deswegen dort auch in der Regel ausgezeichnet gedeihen. Während sich die meisten Garten-Lebensräume eng an natürliche Pflanzengemeinschaften anlehnen, ist die Staudenrabatte ein im Garten als Schaubeet beliebter Standort, der Arten aus Saum, Wiese und Ruderalfläche enthalten kann, also Lebensräume die Besonnung, gute Nährstoffversorgung und mittlere Feuchtigkeit (frischer Standort) teilen. Der Garten-Lebensraum der Trocken-mauer ist in seiner Artenzusammensetzung klar von entsprechenden Felsstandorten in der Natur abzuleiten. Trockenstandorte und aufgrund der limitierten Wurzel-tiefe noch extremere Dachbegrünungen sowie Trockenmauern unterscheiden sich durch die ausge-prägte Trockenheit von den anderen Lebensräumen. Trockene Beschattung, Feuchtzonen und Gewässer sind weitere Lebensräume, die das jeweilige Pflanzenspektrum dominierend beeinflussen. Ruderalflächen, Staudenrabatten, Wiesen und Saum bewegen sich auf einem standörtlichen Mittelfeld und zeigen in der Regel auch die grössten Überlappungen im Potential der der Pflanzenarten, die dort gut gedeihen können. Von den rund dreitausend in der Schweiz heimischen Pflanzenarten stehen für das Mittelland (inklusive Jura und Alpentäler) über vierzig Baumarten, hundert Straucharten und rund achthundert Wildstauden und Farne im Gartenfachhandel für die Pflanzung im naturnahen Garten zur Verfügung. Fachliche Ausarbeitung: Peter Steiger © 2026, NaturGarten Schweiz |
Peter Steiger
Heimische Wildstauden im Garten – attraktiv und naturnah gestalten Verlag Eugen Ulmer CHF 36.- (UVP) ISBN 978-3-8186-0718-0 |
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© 2026 NaturGarten Schweiz
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