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Biodiversität ist keine Ideologie, zu der man sich aus altruistischen Gründen bekennen sollte und sie darf nicht als Plädoyer für Stillstand missverstanden werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Natur und der Schutz von Biodiversität sind vielmehr Grundlagen für eine positive Entwicklung und für die Bewältigung künftiger Herausforderungen.
Im neu gegründeten Verein NaturGarten Schweiz schliessen sich Firmen, Institutionen, Organisationen sowie Privatpersonen zusammen, die sich auf der Grundlage eines fortschrittlichen, klimabezogenen und biodiversen Selbstverständnisses für eine nachhaltige Entwicklung urbaner Lebensräume einsetzen – zum Nutzen von uns allen. Biodiversität bezeichnet die Vielfalt des Lebens. Sie ist das Ergebnis von Evolution und von Milliarden Jahren Erdgeschichte und umfasst die Vielfalt der Arten, der Gene, der Ökosysteme und der ökologischen Prozesse. Jede Gesellschaft und jede Kultur ist auf den Erhalt dieser Lebensvielfalt angewiesen und sie ist auch eine Voraussetzung für das individuelle Wohlergehen und die Gesundheit jedes einzelnen Menschen. Die Antwort auf die Frage, warum das Verschwinden einzelner Tier- oder Pflanzenart Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Menschheit haben kann, ist einfach: Es gibt in der Natur milliardenfach biochemische Prozesse, Verbindungen und fein austarierte Wechselwirkungen zwischen einzelnen Tier- und Pflanzenarten, die längstens nicht alle bekannt sind. Auch kleine Veränderungen können grosse Auswirkungen haben, die praktisch nie exakt vorausgesagt oder -berechnet werden können. Bekannt ist dieses Phänomen als «Schmetterlingseffekt». Den Begriff geprägt und die Wirkung deutlich gemacht hat der Meteorologe Edward N. Lorenz 1972 an einer Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science anhand der Frage, ob ein Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen könne. Beschrieben wurde der Effekt aber bereits 60 Jahre früher, nämlich 1911 vom österreichischen Arzt und Autor Arthur Schnitzler in seiner Erzählung «Die dreifache Warnung». Für die Erforschung der unglaublichen Komplexität der Natur wurde auch in unserer Region viel geleistet, zum Beispiel vom 1883 geborenen Fritz Heinis, der sich neben seiner Tätigkeit als Bezirkslehrer in Böckten, Therwil und später in Basel als Botaniker und Phänologe der wissenschaftlichen Forschung gewidmet hat. Er hat 218 Publikationen veröffentlicht und zahllose Vorträge gehalten, die meisten davon in der Naturforschenden Gesellschaft beider Basel. Seine Forschungen über Mikroorganismen, insbesondere über Rhizopden, Tardigraden und «adaptive Pflanzen» – heute bekannt als Neophyten – erzielten international Aufmerksamkeit. In seinen Forschungen berichtet er zum Beispiel 1916 davon, dass er in einem mm3 Erde 224 Lebewesen gefunden und identifiziert hat. Selbst diese Kleinstlebewesen beeinflussen biochemische Prozesse, die Auswirkungen auf die Beschaffenheit des Bodens und auf die Lebensbedingungen von Pflanzen und Tieren haben. Ein weiteres eindrückliches Beispiel ist die Bestäubung von Pflanzen. Die Lebensbedingungen von Insekten sind eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass diese stattfinden können und für Menschen ist die erfolgreiche Bestäubung von Pflanzen darum entscheidend, weil sie ihrerseits Voraussetzung für die Gewinnung von etwa einen Drittel der Nahrung ist, die wir zu uns nehmen. Neben der Übernutzung, Schadstoffbelastung, der Verdichtung und Versiegelung von Flächen und der Beschleunigung klimatischer Veränderungen bedrohen weitere Faktoren wie etwa invasive Neophyten und Neozoen – nicht einheimische Tier- und Pflanzenarten, welche die einheimische Flora und Fauna verdrängen – unsere Ökosysteme und damit die Biodiversität. Wenn die Biodiversität leidet, hat das nicht ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Auswirkungen, zum Beispiel auf die Ernährungssicherheit, die individuelle Gesundheit, aber auch auf Kultur, Tourismus und Erholung. Darum ist es wichtig, die biologische Vielfalt zu schützen und nachhaltige Lösungen für Herausforderungen zu finden, die der Umwelt und uns allen zu Gute kommen. Die Idee zur Gründung von NaturGarten Schweiz entstammt einem Netzwerk, welches der Branchenverband JardinSuisse beider Basel, das Institut für Life Sciences und Facility Management der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (zhaw) und Bioterra Schweiz gegründet haben. Der Verein setzt sich für die Stärkung nachhaltiger Grundlagen bei der Realisierung und beim Unterhalt von Gärten, Anlagen, Parks und anderen Freiflächen in urbanen Räumen ein. Er vertritt seine Ziele gegenüber Politik, Verwaltung und der Öffentlichkeit. Er engagiert sich für die Erarbeitung und Verbreitung von Know-how sowie die Realisierung von Projekten. Er fördert die Vernetzung engagierter Personen, Firmen und Organisationen und er bietet ein Aus- und Weiterbildungsprogramm an. NaturGarten Schweiz will einen Beitrag zur Verstärkung der Wirkung, zur Koordination der Vielzahl von einzelnen bereits existierenden und neuen Initiativen und Engagements und zum wirkungsvollen Einsatz von Ressourcen leisten. Mitglieder können sich in verschiedenen Fachgruppen engagieren. Zudem wird es Veranstaltungen geben, an denen sich Akteurinnen und Akteure vernetzen und ihr Know-how austauschen und erweitern können. Zu einer Mitgliedschaft bei NaturGarten Schweiz sind Bildungsinstitutionen, Politik, Verwaltung, Unternehmen, Verbände und Privatpersonen eingeladen. Sie alle haben verschiedene Zugänge zur Natur- und Biodiversitäts-Thematik, unterschiedliche Voraussetzungen, Stärken sowie Handlungs- und Einflussmöglichkeiten. Durch eine koordinierte Vernetzung können diese Expertisen besser genutzt werden. Es soll ein Wissens- und Erfahrungs-Kreislauf entstehen der dazu führt, dass gemeinsame Ziele einfacher erreicht werden und mehr Wirkung entfalten. Felix Werner |
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